Der Gloss'n Hans macht sich Gedanken
Greenwashing

- hochgeladen von Gloss'n Hans
Sie wer’n lachen, aber manchmal bin ich Tourist. Die Pfingstpause habe ich genutzt für die Fahrt in ein Land, in dem der Rosmarin nicht sparsam aus dem Töpfchen gezupft wird wie daheim, sondern als Straßenbegleitgrün die Luft mit Duft erfüllt.
Früher, zumindest in meiner Erinnerung, hatte das Reisen einige unangenehme Aspekte. Aufwand für Fremdwährungen, Raserei auf der Autobahn, nächtliches Mopedgeknatter, überfüllte und vermüllte Umgebung und manches mehr.Und jetzt? Bei der Anreise (die Bahn hätte mehr als das Doppelte gekostet) fährt kaum jemand viel schneller als 130, sogar im unregulierten Deutschland. Strand und Meer blitzblank, ungestörte Nachtruhe, entspannte Radfahrer statt hektischem Autoverkehr, vertrauenswürdige Ausländer (also Einheimische) und die Preise angemessen für Orte, die vom Tourismus leben.
Also alles besser als früher? Fast. An einer Autobahnraststätte im Nachbarland hatte ich mir das Gesicht mit kaltem Wasser erfrischt und sah mich mit tropfnassem Antlitz folgender Aufschrift gegenüber: „Sie können die Handtücher nicht finden? Freunden Sie sich mit dem neuen Trockner an. Er trocknet ihre Hände vollständig binnen 10-15 Sekunden und verbraucht dazu 80% weniger Energie als herkömmliche Händetrockner. Sie vermissen die Handtücher trotzdem? Na ja, Sie könnten ja Ihre Hose benutzen…“.
Immerhin war der Zutritt kostenlos, anders als in Deutschland. Aber es ist akrobatisch, stehend das Gesicht an der eigenen Hose zu trocknen (ohne diese auszuziehen). Was uns als Umweltschutz verkauft wird, dürfte vor allem (laut Herstellerangaben) bis zu 97% der Betriebskosten im Vergleich zu Papierhandtüchern sparen. Und macht einen Riesenlärm. Ob auf der Damentoilette wohl das Gleiche steht?
Ihr Gloss’n Hans
Autor:Gloss'n Hans aus Eckental |
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